Brother Islands- Daedalus – Elphinstone Tour
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen...und das können die Jungs von Abenteuertauchen nach ihrer Reise mit der Diversheaven Fleet!
Hier ein kurzer Erlebnisaufsatz für Mitreisende und Interessierte.
Start der Expedition war die Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 2007. Gemeinsam fuhr man mit einem Bus von Freudenburg über Völklingen und Saarbrücken zum Flughafen nach Frankfurt am Main.
16 entschlossene und gut ausgebildete Taucher mit einem Berg an Ausrüstung auf der Suche nach dem ultimativen Abenteuer. Darunter die verschiedensten Persönlichkeiten, Geschäftsleute, Schlosser, Parkettleger, Banker, und die nicht immer ganz leichten Lehrer und andere Beamte.
Problemlos überwand man die erste Hürde Flughafen Frankfurt. Es folgte ein schläfriger Flug und ein entspanntes Ankommen im warmen Ägypten (>35°C).
Vor dem Flughafen wurde von unserem Reiseführer Christian sofort ein Bus beschlagnahmt, welcher uns zu unserem Hotel (Coral Beach Diving Hotel) bringen sollte. „Beschlagnahmt“ deshalb, da dieser Bus eigentlich für andere Gäste vorgesehen war und der für uns reservierte, wohl Verspätung hatte. Aber wie sagt man so schön: „Den letzten beißen die Hunde“ und wir waren schließlich nicht zum Spaß hier, sondern in einer wichtigen Mission: Der Mission Hai!
Somit begann unser Abenteuer damit, einen Bus in unsere Gewalt zu bringen und diesen kleinen 20ig- Sitzer mit Unmengen von Gepäck zu überladen. Nach der Ankunft im Hotel begann man damit, die Wartezeit in der heißen Sonne zu überbrücken. Böse Zungen behaupten, dass der ein oder andere sich sogar ein Bier gegönnt haben soll. Dies kann von der Redaktion jedoch nicht bestätigt werden.
Um 14.00 Uhr erfolgte mit dem Zodiac (kleines motorisiertes Schlauchboot) der Transfer vom Hotel zu unserem Schiff – der Heaven Saphir – aus der Flotte der Diversheaven Fleet.
Die Heaven Saphir ist eine 35 m lange und 8 m breite Jacht. Mit Mittel – Ober – und Hauptdeck sowie auf dem großen Sonnendeck war ausreichend Platz im Bug und Heckbereich, so dass jeder auch mal für sich alleine sein und die Seele baumeln lassen konnte.
Wenn man aber die Geselligkeit der Einsamkeit vorzog, konnte man auch mit den todesmutigen Artisten Katrin, Frank und Jörg vom Hauptdeck ins Blauwasser springen, geschätzte Höhe ca. 8 m.
Die Unterbringung erfolgte in Doppelkabinen mit eigenem Bad (Dusche u. WC), Kühlschrank, Fernseher samt DVD- Player und natürlich Klimaanlage. Was zunächst beengt wirkte, zeigte sich dann doch als ausreichend und jeder bekam sein Gepäck unter Dach und Fach.
Nähere Informationen über Schiff und Besatzung findet ihr unter www.diversheaven.com.
Trotz der Lethargie der ägyptischen Behörden gelang es uns noch am gleichen Tag gg. 15.00 Uhr auszulaufen.
Eine Stunde später folgte zu unser aller Freude (überraschend) der „Ceck - Dive“ am Abu Mubarak. Ein Tauchgang welcher noch nicht allzu viel hergab und in einer ägyptischen/ Roten Meer Skala von 1 bis 10 höchstens auf eine „3“ kam.
Alle wieder auf dem Boot, erfolgte nachts die Überfahrt zu den Brother Islands und wir erlebten zum ersten Mal das Essen an Bord.
Um alle Spannung vor weg zu nehmen: Wahnsinn! Es folgte ein Mehr- Gänge- Menü was in Steak und Folienkartoffeln seinen Höhepunkt fand. In den folgenden Tagen wurden wir fürstlich verpflegt und Tisch Nr. 4 sogar gemästet! Die bekamen nämlich immer die Reste der anderen und waren sich nicht zu schade, alles zu verputzen.
Generell kann man an dieser Stelle den Service und die Verpflegung an Bord lobend herausheben. Was an Speisen gereicht wurde, überstieg bei Weitem – und ich denke, ich kann hier für alle sprechen – unsere Erwartungen. Eben mehr als nur „First Class“, nämlich „Diamond – Class!“ (Der Herr gibt es den Seinen im Schlaf –Zitat aus der Bibel, Johannes 6, Vers 1 -15“
Schnell kannte die Crew alle Namen der Gäste und welches Tauchgerät an welchen Platz zu welchem Taucher gehörte. Jeder Wunsch wurde uns von den Lippen abgelesen. Ob es um die Reinigung der Geräte, das Befüllten der Flaschen, die Getränke, selbst das in den Bademantel schlüpfen ging, stets standen unsere ägyptischen Freunde Gewehr bei Fuß und halfen.
Aus der Crew – welche aus einheimischen Seeleuten bestand – besonders hervorzuheben war Ahmed. Stets hilfsbereit und gut gelaunt, mit Stil und Klasse spürte er was wir wollten und er tat mehr, als man sich vorstellen kann. Mehrsprachig unterhielt, beköstigte, filmte und amüsierte er uns. Ein Pfundskerl! An dieser Stelle von allen noch einmal herzlichen Dank. Du hast einen super Job gemacht!
Der Tagesablauf an Bord:
Je nach abendlicher Absprache erfolgte zwischen 05.00 und 06.30 Uhr das Wecken zum „Early Morning Dive“. Vor dem Tauchen gab es Gebäck und Kaffee, man kontrollierte dabei die eigene Ausrüstung und alberte herum – alle in freudiger Erwartung auf das was da kommen möge...
Nach dem ersten Tauchgang gab es dann endlich Frühstück und das wahlweise mit Omelett, Rühr- oder Spiegeleier bis zum Abwinken. Auch Müsli – Esser oder die Freunde eines guten Wurstbrotes kamen nicht zu kurz.
Im Anschluss ans Frühstück folgte die erste Ruhephase, welche man dazu nutzte, über das Erlebte zu fachsimpeln. Und ganz ehrlich, die Euphorie der Taucher steigerte sich von mal zu mal und irgendwann war auch meine Geduld zu Ende. Jäger, Angler und wohl auch einige Taucher... ihr wisst, was ich meine.
Es gab phantasievolle Sichtungsbeschreibungen von Haien mit weißen Bäuchen, von Mantas mit Fuchshai im Heck, von Taucherinnen ohne Neopren usw.
Aber weiter im Tagesablauf...die Ausrüstung wurde erneut kontrolliert und manch einer nutzte die Zeit, um ein Auge zu schließen.
Gegen 11.00 Uhr folgte der zweite Tauchgang. Nach dem Briefing und einem Erfahrungsaustausch mit unserem Tauchguide Bernd Becks sprang man erneut in die Fluten. Diesmal mit neuer Order und anderer Marschrichtung, aber immer mit der Hoffnung im Herzen...
Wieder trocken auf dem Schiff wartete man auf die Mittagsglocke, welche jede Zusammenkunft an Bord ankündigte.
Zum allgemeinen Verständnis muss man sagen, dass unsere Tauchausrüstung einmal an einem fest zugewiesenen Platz zusammen gebaut wurde und dann dort – an Ort und Stelle – immer mit Nitrox befüllt wurde. Das Einzige, was jeder noch selbst tun musste, war den Sauerstoffanteil in seinem Nitrox – Gemisch zu messen und den Rest seiner Ausrüstung (ABC, Computer und Lampe) zu kontrollieren.
Die Tauchgänge an sich begannen nur selten mit einem Sprung von der „Saphir“. Meist wurden wir von den Zodiaks zu einem bestimmten Punkt – abhängig von Strömung und dem Stand der Sonne – vor das Riff gefahren und später wieder eingesammelt.
Bevor ich zur „Faszination Hai“ komme, möchte ich ein paar Sätze über andere Bewohner des Roten Meeres verlieren. Ihr alle sollt an den Erlebnissen unserer Reise teilhaben. Auf den Fahrten von Riff zu Riff konnten wir öfter Delphine beobachten, wie sie in den Wellen unseres Schiffes spielten. Einmal hatten einige von uns das Glück, zwei Mantas zu beobachten. Schildkröten kreuzten auf ihrem Weg zum grasen den unseren. Korallen in allen Farben und Festigkeiten wohin das Auge sah. Anemonenfische in ihrem Wohnzimmer (Anemone- City), neugierige Napoleonfische so groß wie Kinder, Barakudas auf der Jagd, Makrelenschwärme, Tunfische. Während des Nachttauchgangs sahen einige von uns einen Octopus und dann diese Rochenart mit den blauen Punkten... Muränen frei schwimmend und in Höhlen, wie sie sich von Putzerfischen die Reste der letzten Mahlzeit aus den Zähnen kratzen ließen. Wir betauchten am „Big Brother“ Wracks (Aida und die Numidia) und andere – vom Menschen hinterlassene Mobilien. Es war Phantastisch – eine Welt für sich die sich in Bruchteilen dem Menschen offenbarte.
Während der gesamten Reise – in insgesamt 18 bis 20 Tauchgängen – war es uns vergönnt, 5 verschiedenen Haiarten zu begegnen.
Die häufigste angetroffene Art war der Weißspitzen Hochseehai oder wie wir Lateiner sagen, der Longimanus. Man konnte ihn in allen Tiefen antreffen. An der Oberfläche wie auch in 30 m Tiefe. Nachts umkreiste er unser Boot, angelockt von den Scheinwerfern der Boote. Welch ein Gefühl, den Topräuber der Meere auf diese Distanz bewundern zu können. Von Scheue keine Spur.
Der Fuchshai hingegen begegnete uns während unserer Reise nur leider selten und wenn dann in größeren Tiefen. Die Tiefe war auch ein Grund dafür, dass nicht jeder unserer Taucher ihn zu Gesicht bekam. Aber dann wurde man eben von anderen Artgenossen entschädigt.
Zum Beispiel vom grauen Riffhai, welcher majestätisch seine Kreise um uns zog.
Am Elphinstone Riff machten wir dann Bekanntschaft mit einem Weisspitzen Riffhai. Ein Exemplar von ca. 150 cm. Durch seine Eleganz und Gelassenheit war es uns möglich, schwimmend neben ihm, eine ganze Serie von Aufnahmen zu tätigen.
Last but not least der beeindruckende Hammerhai. Ganze Schulen zogen am Daedalus Riff an uns vorbei. Nach dem Briefing und späteren Einstieg sollten wir zügig auf eine Tiefe von ca. 30 bis 35 m abtauchen und uns dann eine ebensolche Länge vom Riff in Richtung Blauwasser entfernen. Und tatsächlich: Ein Hammerhai schwamm ganz langsam durch die Mitte der Gruppe. Ein Hai von einer geschätzten Länge von 3 bis 4 m. Er nahm sich alle Zeit der Welt.
Und auch der Rest seiner Familie ließ nicht lange auf sich warten. Ein Gruppe von 8 Tieren – noch deutlich größer als das zuvor beschriebene – schwammen links im Blauwasser in einer Tiefe von mehr als 45 m an uns vorbei. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Jede Anstrengung, alle Strapazen hatten sich gelohnt. Begeisterung und Faszination vor der Natur die uns wieder einmal an einem „Wunder“ teilhaben ließ.
Es war wie pures Selbstbewusstsein, wie Stolz und Würde, wie Leben und Glück auf einmal.
Nicht zu vergleichen mit Sex und auch nicht mit Geld zu bezahlen. Viel mehr als beruflicher Erfolg!
Mein Vater hat mich gefragt, ob ich denn keine Angst hatte. Nach kurzem Nachdenken antwortete ich, dass ich keine Zeit hatte, um Angst zu haben. Von Jagdtrieb und Begeisterung jeglicher Vorsicht beraubt, lebte ich den Augenblick. Ich lebte mein Abenteuer! Erinnerungen, die wir ein Leben lang als behüteten Schatz immer bei uns und in uns tragen werden.
Unsere Reise war nicht immer ganz einfach. Physische wie auch psychische Grenzen wurden ausgelotet und erreicht. Erholung wäre absolut das falsche Wort.
Aber die Sekunden dieses einzigartigen Glücks waren jede Stunde der Anstrengung wert.
Es war unser Abenteuer Tauchen!